Überblick

 

Überblick

1956 in Göttingen geboren, wurde er in seinen Anfängen maßgeblich durch Paul Klee, das grafische Werk von Alfred Pohl und Horst Janssen beeinflusst. Nach dem Abitur 1976 ging er nach Berlin, wo er bis 1982 Malerei an der Hochschule der Künste bei Prof. Herbert Kaufmann studierte. Während der Hochschulzeit, die er in erster Linie in bewusster Opposition zu den damals vorherrschenden Strömungen eines politisierten „kritischen Realismus“ und der neoexpressionistischen „wilden Malerei“ erlebte, fand und beschritt er eigene Wege, die der „gesellschaftskritischen“ Diktion und dem „Hunger nach Bildern“ einen Hunger nach „zweckfreiem Denken ohne Rechtfertigung“ entgegensetzten. Prägend waren für ihn René Magritte und seine Schriften. In dieser Zeit fand die erste Auseinandersetzung mit Ludwig Wittgenstein statt, ausgehend vom Begriff des „Mysteriums“ bei Magritte. An der HdK wurde Klie 1981 Meisterschüler. 1980 war er Gründungsmitglied der Künstlergruppe „Schwertfeger"(mit Wolfgang Buchholz und Herbert Weber), der er bis 1983 angehörte und die sich mit den Leitbegriffen „Wahrnehmung“, „Assoziation“ und „Dingcharakter“ (ein Zusammentreffen von wahrnehmungstheoretischen, dadaistisch-surrealen und gestaltpsychologischen Ideen) beschreiben ließ. In den folgenden Jahren formte er seine künstlerische Position weiter aus, die in dieser Phase als „postmoderne Malerei“ bezeichnet werden kann. 1988 und 1989 reiste er auf Einladung der Karl-Hofer-Gesellschaft und des Goethe-Instituts mit einer Gruppe von Künstlern zu einem deutsch-kanadischen Künstleraustausch nach Montrèal. Nach seiner Rückkehr gründete er 1989 zusammen mit dem Maler und Aktionskünstler Martin von Ostrowski die Gruppe „Der Kongreß" (wechselnde Besetzung bis 1993). Während dieser experimentellen, intensiven Zeit wandte er sich zunehmend dem Medium der Fotografie zu, organisierte im Rahmen der Gruppenarbeit multimediale Ausstellungsprojekte, Künstlerkongresse und Aktionen im öffentlichen Raum in Berlin (z.B.“Palast der Republik – Außenreinigung“). Er erhielt 1992 ein Arbeitsstipendium Bildende Kunst (Medium Fotografie) des Senats von Berlin. Die fotografische Sammlung der Berlinischen Galerie nahm daraufhin ab 1993 Werke von ihm in ihre Sammlung auf. Zwischen 1997 und 2001 arbeitete er an der Werkgruppe „Amorphe Begriffe", die ein wesentliches Kompendium seiner bisherigen Reflexionen von Bild und Sprache darstellte. In diese Zeit fällt auch die grundlegende Beschäftigung mit Friedrich Nietzsche und Gottfried Wilhelm Leibniz, was 2001 in der Werkgruppe „Petites Perceptions" seinen Niederschlag fand.1998 kam es zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Fotografen Gerhard Haug (bis 2006), das erste Ausstellungsprojekt “REFERENZ“ (konzeptuelle Fotografie 1998/99) war Auftakt für weitere Projekte und führte 2003 zur Gründung der Gruppe „projektSTRAND.org“ (www.projectSTRAND.org), die bis 2006 fiktionale und reale Interventionen im Stadtraum plante und Aktionen, Projekte und Ausstellungen realisierte. Klie arbeitete in dieser Zeit auch am interkulturellen Ausstellungsprojekt (INFRAESTRUCTURA I – IV) das ihn 2005/2006 auf Einladung des Goethe-Instituts, der Humboldt-Gesellschaft und des „internationalen Monats der Fotografie“ in Ecuador mit Ausstellungen nach Quito, Guayaquil und Cuenca führte. Parallel dazu brachte die umfangreiche Auseinandersetzung mit dem Spätwerk Ludwig Wittgensteins (seit 2002, Wittgenstein-Trilogie 2003/2006 und Ausstellung „Philo so und so phie“ 2006) eine Zäsur, die ab 2007 für alle folgenden Arbeiten prägend sein sollte und den bisher eher rational-philosophischen Aspekten seiner Arbeit eine stärker „sprachspielend-poetische“ Dimension verlieh. Was bei Wittgenstein die Hinwendung zur Theorie des Sprachspiels in seiner Spätphilosophie war, empfand Klie als ähnlichen Perspektivwechsel innerhalb seiner Arbeit. Der Wittgenstein-Phase, die er 2008 nach dem Projekt HYPERMEDIA WITTGENSTEIN“ abschloss, folgte ein freierer, weniger zielgerichteter Bezug zu seinen philosophischen Quellen und setzte neue Schwerpunkte in seinen Arbeiten. Der paraphrasierende, poetische Dialog zwischen Texten und Fotografien wurde nun das wichtigste Merkmal eines zur Zeit noch andauernden Werkabschnitts, der vorwiegend in Form von Fotobüchern und zunehmend auch durch Videoarbeiten realisiert wird. 2010 fasste er eine Auswahl seiner Texte seit 2004 in einem Buch zusammen („Texte und Fragmente aus 7 Jahren, 2004 -2010“).