1989/1997

 

1989/1997

Medienreflexion und Fotografie: serielle Bilder und Gedankengänge

1988 und 1989 wurde Klie zu einem deutsch-kanadischen Künstleraustausch eingeladen. Dort lernte er den Maler und Aktionskünstler Martin von Ostrowski kennen, mit dem er, nach Deutschland zurückgekehrt, die Gruppe „Der Kongreß" begründete. Dieser Zusammenschluss von sehr unterschiedlich arbeitenden Künstlern (u.a. Jan-Michael Sobottka, Andreas Seltzer, Toni Wirthmüller), die eine Beziehung zur Postmoderne, also ein „zeitgemäßes Reflexionsniveau“ verband, war ein starker Impuls für seine Arbeit. Neben der Realisation von Ausstellungsprojekten, Aktionen im öffentlichen Raum (z. B. “Palast der Republik – Außenreinigung“ / Fotos der Aktion: Link zur Webseite von Martin von Ostrowski) und Künstlerkongressen (u. a. Köln und Berlin), war die strömungsübergreifende Diskussion ein wichtiges Anliegen der Gruppe.

Teil der Gruppenstrategie war es, auf das „Betriebssystem Kunst“ ironisch zu fokussieren, infolgedessen wurden die z. T. subversiven Arbeiten der Gruppe von der etablierten Kritik und Kunstwelt augenzwinkernd als „Spaßguerilla-Kunst“ bezeichnet. Doch der Kern aller Aktionen und Aktivitäten der Gruppe war das System der Kunst zu hinterfragen und zu reflektieren, so z. B. in der Postkarten-Aktion 1990: „Der Deutsche Künstlerbund ist aufgelöst!“
Klie schrieb 1992: „Indem ich über das nachdenke, woran ich glaube, fällt mir auf, dass es unecht zu werden beginnt, sobald man darüber spricht. Sehr viel leichter ist es, über das nachzudenken und zu arbeiten woran man nicht glaubt; es gehört nur etwas Rücksichtslosigkeit dazu. Diese Rücksichtslosigkeit, eben keine Rück-Sichten, braucht es auch in der Kunst. Rücksichtslosigkeit den Dingen gegenüber, keine Zartheit, keine Sanftheit, keine Rücksichtnahme  –  eben alles das sich einzuverleiben, was abstößt und irritiert.“ Der Projektraum „Simultan in die Zukunft” (1992/93) veranschaulichte die Stoßrichtung der Gruppe am prägnantesten und bildete auch einen Endpunkt der Zusammenarbeit. Am Eröffnungsabend erlebte das Publikum vier Stunden lang eine Kakophonie simultaner Multimedia-Kunstaktionen, die in einem dekonstruktiven, zerstörerischen Chaos endeten. Die Aktionsreste des Abends bildeten im Anschluss die eigentliche Ausstellung – doch der Katalog zeigte die Situation des aktiven „Simultanraumes“.
Während dieser experimentellen, intensiven Zeit entwickelte er sich zunehmend in eine konzeptuelle Richtung, wobei Fotografie und Objekt-Installation schwerpunktmäßige Medien wurden. Daneben begann er intensiver zu schreiben.

Die Wanderausstellung Belgischer Granit" (1994 mit T. Wirthmüller und Hans Pieler), in Antwerpen, Brüssel, St. Niklaas, Kortrijk und Berlin war hierfür exemplarisch: Seine Objekt- und Fotoinstallationen entwickelte er  gezielt auf die Ausstellungsräume hin und modifizierte sie entsprechend; in Belgien wurden sie auch als augenzwinkernde Referenz an René Magritte verstanden.
Damals entdeckte Klie für sich das „Gesetz der Serie“. Anders aber als in den seriellen Strukturen der Pop-Art war für ihn die Serie nicht Wiederholung, sondern die Herstellung von Simultaneität mit anderen Mitteln.