2002/2008

 

2002/2008

HYPERMEDIA WITTGENSTEIN – Gesten einer Untersuchung

Ludwig Wittgenstein war für Klie lange Zeit der wichtigste  philosophische Impulsgeber. Seit 1980 hatte er sich mit wechselnden Schwerpunkten auf ihn bezogen. 2002 begann die intensivste Phase, die mit dem Reise-Projekt „Wittgensteins Hytte“ (zusammen mit Wolfgang Buchholz) begann. Die erste Version der „Wittgenstein-Trilogie“, 2003/2006 wurde im Rahmen der Ausstellung „Überindividuell“ in Berlin gezeigt.  Den Höhepunkt bildete die Ausstellung „Philo so und so phie“, 2006 zum internationalen Wittgenstein Symposion in Passau.
Mit multimedialen Mitteln wurde eine sehr akribische „Untersuchung“ durchgeführt:  Wittgensteins Denken und sein Leben wurden in den „plastischen Simulationen 1–14“ scheinbar rekonstruiert und kommentiert, 14 Aspekte simulierten fiktive Situationen seines Lebens und untermauerten sie mit anschaulichen Materialien aus seiner Zeit, gesicherten Fakten seines Lebens und Textstellen seiner Werke. In Wahrheit aber wurde ein Stück Leben nachgebildet, es wurde inszeniert, was nie stattgefunden hatte – aber so hätte stattfinden können.  Nur in unserem Kopf, in der Welt des Möglichen, konnte es stichhaltig werden, Gestalt annehmen und Faktizität gewinnen. Ähnlich wie bei der Werkgruppe „Amorphe Begriffe“ wurde der Rezipient „ent-täuscht“ das, was er über Wittgenstein verstanden zu haben meinte, war eine Täuschung und wurde zudem als Täuschung sichtbar.
Seit 2005 setzte eine Auseinandersetzung  mit dem Spätwerk Ludwig Wittgensteins ein und führte ab 2007 zu einer Zäsur, die für alle folgenden Arbeiten Klies prägend sein sollte. Die rational-philosophischen Aspekte, der strenge, sachliche Duktus seiner Arbeit wurden schon 2008 zugunsten eine stärker „poetisch-sprachspielenden“ Dimension im Umgang mit Bildern und Texten überwunden. Die Wendung in Wittgensteins Spätphilosophie empfand Klie für sein eigenes Werk vorbildhaft: als einen ähnlichen Perspektivwechsel.

Mit der konzeptuellen Arbeit „Hypermedia Wittgenstein", einem fiktivem Ausstellungsprojekt für eine Jubiläumsausstellung „80 Jahre Haus Wittgenstein in Wien 2008“ schloss Klie seine Wittgenstein-Phase ab.  Folgerichtig thematisierte sie noch einmal den Gedanken der „Ent-täuschung“: Der Bildband mit CD enthielt alle geplanten Fotoinstallationen, Texte und zusätzlich Fotografien der Räumlichkeiten (simulierte Ausstellungsfotos), obwohl das Projekt außer in der Planung, Vorbereitung und Konzeption nie stattgefunden hatte. Ergänzend zum „Katalog“ dokumentierte ein Heft mit chronologisch geordneten Texten und Fotos den Schriftverkehr, die Reise nach Wien und die Ausstellungsplanungen.