Hineintreten in das Licht / PDF

 

Hineintreten in das Licht / PDF

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 HANS-PETER KLIE / MARTIN VON OSTROWSKI  2012  

HINEINTRETEN IN DAS LICHT 

10 Kartons 40 x 60 x 40 cm, 10 SW-Photographien, Schablonendruck,

Holzmodelle mit Kunststoffklammern, schwarze Lackfarbe, LED-Tageslichtstrahler.

 

Zur Ausstellung

Das Projekt umfasst eine dreidimensionale Rauminstallation zum Thema „Tod – Wandlung und Verwandlung“. Ausgehend von Texten des „ägyptischen Totenbuchs“, dessen Originaltitel übersetzt „Hineintreten in das Licht“ bedeutet, schlagen die Künstler Hans-Peter Klie (Berlin) und Martin von Ostrowski (Berlin)  inhaltlich eine Brücke zu Helmar Lerskis „Verwandlungen durch Licht“. In dieser Fotoserie von 1936, verwandelte sich durch Beleuchtungs- und Spiegeleffekte die Physiognomie eines jungen Mannes in immer neue plastische Landschaften. Das Modell Leo Uschatz wurde zur Projektionsfläche - seine eigene Identität verschwand. Diese „Metamorphosen des Gesichts“ entstanden in Tel Aviv auf einer Dachterrasse im gleißenden Sonnenlicht.

Das Projekt „Hineintreten in das Licht“ befasst sich mit Archetypen des Ausdrucks von Gesicht und Körper. Lerskis Arbeit im prallen Sonnenlicht wird Anlass zu einer Umkehrung: Hans-Peter Klies Fotografien des Malers und Aktionskünstler Martin von Ostrowski entstanden in einem Keller bei sehr geringer Beleuchtung und langen Belichtungszeiten. Die Fotografien zeigen Ostrowski nicht als eine wandlungsfähige Larve, sondern sind Visualisierung und „Überträger“ von Bildern des Nicht-Sichtbaren. Sie lassen z.B. Nahtoderfahrungen assoziieren, die von uns als Individuen sowohl im Traum als auch bei Unfällen, in schweren körperlichen Krisen und Krankheiten erlebt werden. Ob mit geschlossenen oder geöffneten Augen – zehn ausgewählte Fotografien Klies werden in beleuchteten und von Martin von Ostrowski gestalteten Kartons präsentiert. Es handelt sich um einfache Umzugskarton aus Pappe, die durch aufgesprühte Silhouetten und angeheftete Holzfiguren zu einer Bühne werden, auf der archetypische Gebärden zusammen mit den Fotografien Klies verschiedene  Gefühlslagen vorführen: Angst, Besessenheit, Bedrohung, Gelassenheit, Erleuchtung, Resignation, Freude, Erleichterung…

 

Die Rauminstallation der zehn Kisten im Kiosk am Mühlehof mit dem Titel: „Hineintreten in das Licht“ visualisiert  transformatorische Momente des Lebens. Transformation (die Umformung) bezeichnet allgemein die Veränderung der Gestalt, Form oder Struktur materieller Dinge wie auch geistiger Inhalte. Die Fotografien Klies und die archetypischen Figuren Ostrowskis haben diese Idee verinnerlicht. Die Installation können die Betrachter 24 Stunden rund um die Uhr erleben. Sie entfaltet jedoch in der Dunkelheit ihre größte Wirkung, wenn die in den Kartons beleuchteten Fotografien herauszuspringen scheinen und sich faszinierende dreidimensionale Effekte ergeben.

 

Die Baumeister der Ägypter schufen Monumente, um das Weiterleben nach dem Tode für den Verstorbenen zu gewährleisten. Es sind Artefakte, die uns noch immer faszinieren. Heute ist für uns der Tod eine Grenze, hinter die wir nicht zu blicken vermögen. All das, was hinter dieser Grenze liegt, bleibt dem Bereich des Glaubens oder unserer eigenen Projektion vorbehalten. Die Installation „Hineintreten in das Licht“ von Hans-Peter Klie und Martin von Ostrowski gibt einen Raum dafür.

 

 „Was man benennen kann, das kann man wissen, was man aber nicht benennen kann, das muss man leben und glauben“, heißt es im Totenbuch der Ägypter.